Wachsende Lohnspreizung in Deutschland
Die Lohnschere in Deutschland klafft weiter auseinander als bislang oft angenommen. Seit den 1980er Jahren steigen die Reallöhne in den oberen Lohngruppen deutlich schneller als für Geringverdiener, deren Löhne in den 1990er Jahren sogar rückläufig waren. Zu diesem Ergebnis gelangt eine aktuelle, von der Deutsch-Britischen Stiftung und der Deutschen Forschungsgemeinschaft geförderte wissenschaftliche Studie, die als IZA Discussion Paper erschienen ist. Der Untersuchung zufolge wurde die Entwicklung der Löhne in den oberen Gehaltsgruppen in erster Linie durch den technologischen Wandel hervorgerufen, wohingegen die wachsende Ungleichheit am unteren Ende der Lohnskala zum Teil auf den schwindenden Einfluss der Gewerkschaften zurückzuführen ist. Dieser Befund ist gerade vor dem Hintergrund der Debatte um die Einführung eines gesetzlichen Mindestlohns in Deutschland von hoher Aktualität.
Die Autoren der Studie, Christian Dustmann (University College London und IZA), Johannes Ludsteck (Institut für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung) und Uta Schönberg (University of Rochester und IZA) widerlegen mit ihrer Analyse die verbreitete Annahme, dass die Lohnstruktur in den vergangenen beiden Jahrzehnten weitgehend stabil
geblieben sei. Zwar konnten alle Lohngruppen in den 1980er Jahren Lohnzuwächse verzeichnen, die Löhne in den einkommensstärksten Gruppen sind jedoch deutlicher gestiegen. Im Gegensatz dazu sind zwischen 1991 und 2001 die Reallöhne der unteren 5 Prozent um bis zu 12 Prozent gesunken. Gleichzeitig konnten die einkommensstärksten 15 Prozent der westdeutschen Bevölkerung Lohnsteigerungen von mehr als 10 Prozent verbuchen.
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aktualisiert von Sascha Brok, 17.12.2007, 10:48 Uhr |